Salon
So, 17.5.2026 – Praxis Bedenk-zeit – 14.00 bis 18.00 Uhr
Heroismus oder Abgrund? Wer Geschmack an der Einsamkeit findet, gilt vielen als Sonderling oder gar Menschenfeind. Der Rückzug vom Trubel der Welt kann so provozierend wirken wie die Nahrungsverweigerung an üppig gedeckter Tafel. Verzicht verstößt gegen die Regeln der heutigen Genuss- und Konsumgesellschaft. Und dennochist Verzicht schwer angreifbar, weil Selbstbeherrschung und Willensstärke durchaus als Qualitäten gelten.
Seit jeher verbindet man zahlreiche Versprechen mit dem Weg der Einsamkeit, z.B.: Selbsterkenntnis durch innere Einkehr, Befreiung von Fremdherrschaft und manipulativer Außenlenkung, Regeneration der Seele zur Bewältigung zukünftiger Lebenserfordernisse, Entfaltung kreativer Fähigkeiten. In der Vergangenheit galt sie als Königsweg zur Erlangung wahrhafter Frömmigkeit und göttlicher Offenbarung. Die moderne Gesellschaft zeigt eine besondere Dynamik: Während Menschen einerseits in zunehmendem Maße vereinsamen, verlieren sie sich anderseits in agitierter Geschäftigkeit. Überfluss und Mangel an Einsamkeit sind gleichermaßen Kennzeichen der Gegenwart. Deshalb wäre zu fragen:
Wie ist der Zusammenhang von Einsamkeit und menschlicher Selbstwerdung philosophisch zu bestimmen?
Wo liegen die Grenzlinien zwischen Einsamkeit, Alleinsein und Vereinsamung?
Ist Alleinsein als neue Lebensform zu propagieren, wie es häufig geschieht? Oder unterliegen wir damit dem Sog einer ichfixierten, ja narzisstischen Gesellschaft?
Anmeldung: heidi.bennent[at]belgacom.net